Erlebnistherapie / Erlebnispädagogik

In unserer langjährigen, spezialisierten Tätigkeit als Träger für ambulante soziotherapeutische Betreuungen sind erlebnistherapeutische Projekte fester Pflichtbestandteil der Therapie. Das Training sozialer Kompetenzen mit Methoden aus Erlebnispädagogik, selbsterfahrendem, handlungsorientiertem Lernen und Psychodrama beschränkt sich jedoch heute lange nicht mehr auf unsere eigenen Betreuungen, sondern wird auch von Kliniken der Kinder- und Jugendpsychiatrie und von Jugendhilfeträgern als aktivierende Methode oder Inputveranstaltung zur Initiierung von Veränderungsprozessen genutzt.

Oberste Priorität, bei der Planung und Durchführung hat der Transfer der Lernergebnisse in den Klinik- oder Wohngruppenalltag und die Selbstaktivierung der Teilnehmer. Aus diesem Grunde finden bei allen Projekten Vor- und Nachbereitungstreffen in der Wohngruppe oder Klinik statt. Bewohner und Patienten kommen also nicht als „Gast“ in ein Projekt, sondern sind eingeladen und aufgefordert, das Projekt als Arbeitsplattform zu begreifen und Lerninhalte selbst zu bestimmen und in sich selbst eine Motivation zur Selbsterfahrung zu aktivieren.
…das klingt sehr hochtragend, wissenschaftlich und fast ein wenig beängstigend trocken. Wer jetzt jedoch den Stuhlkreis, den Flipchart oder die legendäre Couch vor Augen hat, der irrt gewaltig.

denn Achtung… hier ist Abenteuer pur angesagt. Unsere Trainer ermöglichen eindrückliche Erfahrungen durch handelndes, selbsterfahrendes Lernen. Wenngleich in diesen Projekten sehr oft reflektiert wird, stehen der Spaß, das wertschätzende, motivierende Miteinander und die Lust an Grenzerfahrungen an oberster Stelle. Beispielhaft sei hier ein Wochenprojekt einer Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie aus dem letzten Jahr beschrieben.

Projektwoche „…Nur was ich schätze kann ich schützen!…“

zwei Wochen vor Beginn
Treffen aller Teilnehmer (TN) und Trainer in der Tagesklinik
Vorstellung des Projektes,
Erörterung der Chancen und Bedenken,
Fragen, Wünsche, Interessen, Ängste und erste Regelabsprachen

eine Woche vor Beginn
Treffen aller TN und Trainer in der Tagesklinik
Klärung der Arbeitsinhalte
Festschreibung der Praxisziele

danach Elternrunde
Beschreibung des Projektes
Fragen, Wünsche, Ängste
allgemeine Absprachen


Tag 1
Dieser Tag wird dazu dienen, die TN auf die Aktion ein zu stimmen in der Aktion an zu kommen und die ersten „Gehversuche“ zu ermöglichen. Regelabsprachen, Kommunikation, Wertschätzung etc. Anreise, Einführungsrunde, Kennen lernen, Team / Hof / Umgebung, Lagerbau, mehrere Abenteuersequenzen zu den Themen Kommunikation, Kooperation, Reflexion.
Abend: Abendessen, Lagerfeuer, Sport, Spiele, Schnitzkurs

Tag 2
Klettertag im „****bruch“ in ****; Wir nutzen das Medium Sportklettern für gezielte Trainingssequenzen zum Thema Kommunikation, Vertrauen, Verantwortung, „Hilfe geben...Hilfe nehmen“
Abend: Abendessen, Lagerfeuer

Tag 3
Bogenschießen und Bauprojekt; an diesem Tag wird die Gruppe geteilt, um gleichzeitig zwei Aktionen durchführen zu können. Vorgabe des Bogenschießens ist (neben dem Schießen als Solchem), dass jeder Teilnehmer seine ganz eigene Metapher zum Bogenschießen findet und diese in der Gruppe vorträgt.

Das Bauprojekt hat einen werteschaffenden Anspruch. Ziel der Aktion ist, dass die Gruppe gemeinsam ein bleibendes, symbolträchtiges Kunstwerk erschafft, das später in der TK installiert werden kann. Hierfür arbeiten wir mit traditionellen Handwerkstechniken, wie Schnitzen oder Steinmetzen.
Nachmittag: Ab ca. 15.Uhr wagen wir uns das erste Mal aufs Wasser, Einführung Kanu, Schnupperpaddeln, Spiele und Übungen zum sicheren Umgang mit dem Kanu, Grillen am See.
Anschließende Übernachtung unterm Sternenhimmel (für die ganz Mutigen).

Tag 4
Paddeltag auf der Saale; wir starten am Fähranleger in ***** und erpaddeln einen der schönsten und aufregendsten Teilstücke der Saale. Wir nutzen das Medium Wasserwandern für gezielte Trainingssequenzen zum Thema Kooperation, Kommunikation und Wahrnehmung.
Abend: Abendessen, Lagerfeuer, Schnitzkurs, Freiluftkino

Tag 5
Abenteueraktionen zum Thema „Reflexion der Woche“, Abbau des Lagers, Abreise

eine Woche nach der Aktion
Treffen aller TN und Trainer in der KJP, abschließende Reflektion der Woche und des Transfers


Dieses Projekt ist, wie erwähnt lediglich ein Beispiel zur ersten Orientierung. Alle Workshopangebote aus diesem Wegweiser können auch als Projekte mit dem eben beschriebenen Standard an Reflexionssequenzen und gruppenbildendem oder prozesssteuerndem Hintergrund organisiert werden.
Der zeitliche Rahmen solcher Projekte reicht von wiederkehrenden, wöchentlichen Sequenzen im Rahmen eines Therapieplanes oder Gruppenangebot im Sinne einer AG über Tagesprojekte bis hin zu Wochenprojekten.

Unser Trainerteam setzt sich zusammen aus Erlebnispädagogen, Erlebnistherapeuten, systemische Naturtherapeuten, Kunsttherapeuten, Kunst- und Kulturpädagogen oder Quereinsteigern mit besonderen Talenten, die bei der Vorbereitung jedes Projektes auf eine Riege von Mentoren aus Soziotherapie, systemischen Coaching, systemischer Therapie, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie, Psychodrama, Naturtherapie, Erlebnistherapie und handlungsorientiertem Lernen zurückgreifen können.